5.4.2012 - Die Natur bittet zu Tisch am grünen Donnerstag im Tabalugahaus in Jägersbrunn


Auf dem Hoffest 2012 auf Mallorca fragte mich eine Mitarbeiterin vom Stiftungsteam, ob ich Interesse hätte, einen Kochkurs mit Naturerlebnissen mit den traumatisierten Kindern zu veranstalten. Ich sagte sofort zu. Mir macht es große Freude, meine Erfahrungen mit der Natur an die Kinder weitergeben zu dürfen.

Das Tabalugahaus ein wundervoller Ort voller Anziehungskraft, sagenhafter Naturschönheiten mit idyllischen Wäldern, Flussläufen, Bächen, Wiesen und dem Maisinger See.

An diesem schönen grünen Donnerstag sind wir alle (die Kinder, die Betreuer und ich selbst) für eine Weile aus der Uhrenzeit ausgetreten und in die Naturzeit eingetreten. Wir sind der einmaligen Natur mit all unseren Sinnen begegnet.
Gerade im Frühling erwacht die Natur mit  frischem Gras, Blütendüften, Vogelgesang, Tannenduft zu neuem Leben.

Die Naturzeit beginnt

Morgens auf der Fahrt nach Jägersbrunn nehme ich schon bewusst die Natur wahr. Plötzlich sehe ich ein großes Blumenfeld mit Tulpen und Narzissen. Ich hielt an und pflückte einen großen Strauß davon für die Tischdekoration.

Bei dem Tabalugahaus in Jägersbrunn angekommen erwarteten mich schon die Kinder und deren Betreuer. Alle waren schon gespannt, was sie am grünen Donnerstag erleben würden.
Nach der Begrüßung und dem gegenseitigen Kennenlernen hieß es, ab nach draußen

Wir gingen los auf Sinnes- und Entdeckungsreise. Sehen, hören, riechen, fühlen und auch mal schmecken. Wir wollen sammeln und suchen. Weil grüner Donnerstag war, hielten wir auch Ausschau nach neun verschiedenen Kräutern.
Ein altes Sprichwort sagt: „Ach du grüne Neune“. Damit ist die grüne Donnerstagssuppe gemeint. Es gehörte früher zur Tradition, dass am grünen Donnerstag grüne Speisen gegessen wurden, um die Kräfte des Frühlings zu wecken.
Es ging darum, dieser Tradition wieder neues Leben einzuhauchen.
Wir gingen auf die Wiese des Tabalugahauses, auf der schon eine wahre Farbenfreude zu sehen war. Überall blühten kleine blaue Veilchen, strahlend weiße Gänseblümchen und dazwischen in leuchtendem Gelb die Blüten von Löwenzahn und Huflattich.
Die Kinder waren in ihrer Begeisterung nicht mehr zu bremsen. Sie sahen sich um, rochen, fühlten und stellten viele Fragen. Schnell baute sich eine Vertrautheit zwischen ihnen und mir auf, die unbeschreiblich war.
In der Natur können wir einfach so sein, wie wir wirklich sind, was das  Nähe und ein Miteinander schafft.
Anschließend ging es weiter vorbei an einen Naturteich, wo sich ein Entenpaar gerade ruhig auf dem Wasser treiben ließ. Das Wasser glitzerte im Sonnenschein, es war eine wahre Augenweide. Wir nutzen die Gelegenheit, um ein schönes Gruppenfoto zu machen.

Unsere Entdeckungsreise ging weiter und führte uns in den Wald. Dort wurden wir empfangen mit einem duftenden weißen Blütenteppich aus Buschwindröschen, sowie  weißblühenden Waldsauerklee, der gerade seine Blüten öffnete.
Diese Pflanze ist nicht nur schön anzusehen, sondern auch ein Gaumenschmaus.
Der Sammellust der Kinder waren keine Grenzen mehr gesetzt, jedes für sich hatte den Freiraum, das zu suchen und zu erkunden, was es wollte.
Fundstücke wie Zweige, Gräser, Moos, Baumrinde, Flechten und essbare Wildkräuter wurden gesammelt. Bäume wurden ertastet, Moos wurde berührt, unter unseren Füßen den weichen Waldboden spürend, liefen wir durch rauschendes Laub und atmeten den  moosigen  Waldduft ein. Überall knackte und zirpte es. Ein Junge der Gruppe war besonders an Krabbeltieren interessiert und nahm Schnecken, Käfer und sogar einen Tausendfüsser in die Hand.
Ein Erlebnis bleibt mir in besonderer Erinnerung. Ein Mädchen aus der Gruppe, wich mir während der gesamten Entdeckungsreise nicht von der Seite und schaute mir erstaunt dabei zu, wie ich Brennnesseln pflückte und berührte, ohne mich dabei zu verbrennen.

Sie wollte nun auch unbedingt eigenhändig eine Brennnessel pflücken und traute sich schließlich nach einigen Versuchen. Sie nahm die Pflanze in die Hand ohne sich zu verbrennen und war dabei sehr stolz auf sich, dass sie diese Hürde gemeistert hatte.
Irgendwann nahm sie meine Hand und hielt sie ganz fest und ließ sie erst wieder los, als die Wanderung bereits beendet war.
Diese Begegnung erfüllte mich mit Glück und Freude. Das Mädchen fühlte sich einfach nur angenommen.

Nach zwei Stunden Naturzeit machten wir uns mit gefüllten Taschen wieder auf den Weg  zum Tabalugahaus.

Angekommen, packten wir unsere gesammelten Wildkräuter und die Fundstücke für die Tischdekoration aus.

Für die 9-Kräutersuppe hatten wir die folgenden Kräuter gesammelt: Löwenzahn, Giersch, Scharfgabe, Brennnessel, Knoblauchranke, Huflattich, Scharbockskraut, Gänseblümchen und Waldsauerklee

Wir wuschen uns die Hände, banden uns die Schürzen um und versammelten uns alle an einem großen Tisch, um den weiteren Ablauf zu besprechen.
Als erstes mixten wir uns einen grünen Smoothie aus Wildkräutern und Obst. Ein Junge aus der Gruppe übernahm dabei das Mixen. Jeder bekam anschließend ein Glas zum probieren und wir gönnten uns einen kleine, wohltuende Pause nach dem Waldausflug.
Gestärkt, dekorierten wir danach den Tisch mit den gesammelten Naturstücken. Jeder konnte seine Kreativität dabei frei ausleben.

Ein weiterer Punkt der Tagesordnung war das gemeinsame Kochen.
Wir teilten uns in zwei Gruppen. Die eine Gruppe saß am Tisch und schnippelte das Gemüse, die andere Gruppe besetzte den Herd. Somit konnten die Kinder das schneiden, schälen, rühren und pürieren selbst ausprobieren und wertvolle Erfahrungen sammeln. Das eigene Tun und der Spaß und die Freude standen  im Mittelpunkt.
Wir alle lachten, hatten Spaß und gute Laune, diese besondere Zutat rundete das Essen ab.
Das Essen war endlich zubereitet und alle hatten  Hunger.

Unser Menü - Gründonnerstagssuppe
Gemüse-Bolognese mit Dinkelnudeln
Möhrenrohkost
Luftige Schoko-Mousse

Beim gemütlichen Beisammensein am reichlich gedeckten Tisch genossen wir das leckere Essen mit all unseren Sinnen. Esskultur, wie sie sein sollte.
Zu guter letzt ließen wir den Tag mit netten Gesprächen ausklingen.

Was ich an diesem schönen grünen Donnerstag erleben durfte hat mir viel Freude bereitet. Die Kinder mit ihrer Neugier und Begeisterung in der Natur zu erleben hat mein Herz zum überquellen gebracht. Gerne denke ich an diesen Tag zurück. Die Erlebnisse mit den Kindern sind mir bis heute geblieben.

Ich danke dem Stiftungsteam von ganzem Herzen für die Unterstützung und das Vertrauen.

In herzlicher Verbundenheit


Anke Bogena